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OF

COMPARATIVE ZOÖLOGY,

AT HARVARD COLLEGE, CAMBRIDGE, MASS.

JFounticü bj jmbatc subscvfptfon, in 1861.

From the Library of LOUIS AGASSIZ.

No. /JJ..

SITZUNGSBERICHTE

DKli KAISKHI.ICIII.IN

AKADEMIE DER WISnHAETEN.

MVniE.MATISCH-NATlJUWISSENSCHAFTLICHE CLASSE.

ACHTUNDVIERZIGSTER BANI».

WIEN.

AUS DER K. |{. HOF- UNI) STAATSDRUCKEREI.

IN COMMI8S10N BEI KARL SBROLD'S SÜHN, BUCHHÄNDLER DER KAIS'. AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.

1863.

SIT/IIlVnSRKRirilTK

MATHEMATJSCIl-NATÜRWiSSENSCHAFTLICHEN

CLASSE

DER KAISERLU III K

AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.

XIVHI. B.WD. I. AltTHEILUiSfi.

Jahrgang 1863. Heft VI bis X. ^(illit 24 Cnfcln, 1 flotte ntib 1 Ihetaiijjfätobfllf.)

WIEN.

AUS DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI.

IN COMMISSION BEI KARL GEROLD'S SOHN, BUCHHÄNDLER DER KAIS. AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.

*M863.

INFI ALT.

XV. Sitzung vom 11. Juni 1863: Übersicht o

Hyrtl, Neue Wundernetze und Geflechte bei Vögeln und

Säugethieren. (Auszug.) "

XVI. Sitzung vom 18. Juni 1863: Übersicht 8

nahm, Über die Ursache des Saftsteigens in den Pflanzen.

(Mit 1 Tafel.) 10

XVII. Sitzung vom 25. Juni 1863: Übersicht 25

Englisch, Über eine constante Verbindung des Sinus caver- nosus mit dem hinteren Ende des Sinus petrosus inferior ausserhalb des Schädels. (Mit 1 Tafel.) . . 27

XVIII. Sitzung vom 9. Juli 1863: Übersicht 31

Tseliermak, Die Krystallform des Cocains 34

Reuss, Beiträge zur Kenntniss der tertiären Foraminiferen-

Fauna. (II. Folge.) (Mit 8 Tafeln.) 36

Karrer , Über das Auftreten der Foraminiferen in den braki- schen Schichten (Tegel und Sand) des Wiener Beckens. (Mit 1 Übersichtstabelle.) 72

XIX. Sitzung vom 16. Juli 1863: Übersicht J<»2

Fenzl, Bericht über einige der wichtigsten botanischen Ergebnisse der Bereisung der portugiesischen Colonie von Angola in Westafrika in den Jahren 1850 1860 durch Herrn Dr. Friedrich Wel wits c h 104

XX. Sitzung vom 23. Juli 1863: Übersicht

Reuss, Die fossilen Foraminiferen, Bryozoen und Anthozoen

von Oberburg in Steiermark 118

XXI. Sitzung vom 8. October 1863: Übersicht 123

Kner, Über einige fossile Fische aus den Kreide- und Tertiär- schichten von Comen und Podsused. (Mit 3 Tafeln.) . 1'i6 Pelzeln, Über zwei von Dr. Kriiper zu Smy-rna gesammelte

Vogelarien '^•'

XXII. Sitzung von 15. October 1863: Übersicht 152

Brücke, Über die mikroskopischen Elemente, welche den

Schirnimuskel der Medusa aurita bilden 156

VI

Seite

XXHI. Sitzung vom 22 October 1863: Übersicht Iä9

Steindachner , Beiträge zur Kennfniss der Seiaenoiden Brasi- liens und der Cyprinodonten Mejieos. (Mit 4 Tafeln.) 162

Über einige neue Batrachier aus den Sammlungen des Wiener Museums. (Mit 1 Tafel.) 186

Über eine neue Alburnus-Art aus Syrien 193

XXIV. Sitzung vom ;i. November 1863: Übersicht 195

Diesing, Revision der Ceplialocotyleen. Abtheilung: Parame-

cocotyleen 200

Sehmidi, Die Abaligether Höhle. (Mit 1 Plane.) 346

Bout '• , Über Solfataren und Krater erloschener Vulcane . . 361

XXV. Sitzung vom 12. November 1863: Übersicht 381

Wall, Beiträge zur Pathologie der Blutgefässe. (Mit 2 Tafeln.) 384

Über ein Pentastom einer Löwinn. (Mit 1 Tafel.) . . . 408

XXVI. Sitzung vom 19. November 1863: Übersicht 416

Peters, Bemerkungen über die Bedeutung der Balkan- Halbinsel als Festland in der Liasperiode 418 j

XXVII. Sitzung vom 3. December 1863: Übersicht 427

XXVIII. Sitzung vom 10. December 1863: Übersicht 430

Zittel, Die fossilen Bivalven der Gosaugebiliie in den nord- östlichen Alpen. (Auszug.) 432

Hyrtl, Über abwickelbare Gefässknäuel in der Zunge der

Batrachier. (Mit 1 Tafel.) 437

XXIX. Sitzung vom 17. December 1863: Übersicht 441

Ettingshausen , Canst. v., Die fossilen Algen des Wiener und

des Karpathen-Sandsteines. (Mit 2 Tafeln.) .... 444 y

SITZUNGSBERICHTE

l>EK

KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.

MATHEMATISCH -NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE.

XLY1II. BAND.

ERSTE ABTHEILUNG.

6.

Enthält die Abhandlungen aus dem Gebiete der Mineralogie, Botanik Zoologie, Anatomie, Geologie und Paläontologie.

XV. SITZUNG VOM 11. JUNI 1863.

Das w. M. , Herr Prof. Dr. ,1. Gott lieb, übersendet ein ver- siegeltes Schreiben zur Aufbewahrung behufs Sicherung seiner Priorität.

Herr Nik. Haindl aus Tirol, übermittelt ein versiegeltes Packet mit dem Ersuchen um dessen Aufbewahrung.

Folgende Abhandlungen wurden eingesendet:

„Eine eigenthümliche Zwillings-Krystallbildung am Kupfer", von Herrn Hofrath W. Haidinger.

„Über das Morin und die Moringerbsäure", dann

„Über den Quercitrinzucker" ; von dem w. M., Herrn Prof. Dr. H. Hlasiwetz, und Herrn L. Pfaundler.

„Über das Pikrotoxin", von Herrn Dr. L. Barth; eingesendet von Herrn Prof. H 1 a s i w e t z.

„Über die Vermehrung der synthetischen Rechnungsarten", von Herrn Dr. F. Paugger, Adjuncten der k. k. hydrographischen Anstalt zu Triest.

„Notiz über die Molecularbewegung in Gasen", von Herrn Prof. V. Puschl in Melk.

Herr Hofrath Prof. J. Hyrtl überreicht eine für die Denk- schriften bestimmte Abhandlung: „Neue Wundernetze und Geflechte bei Vögeln und Säugethieren".

Herr Prof. Dr. J. Red tenb acher legt die in seinem Labora- torium von Herrn Fr. Ullik ausgeführte „chemische Untersuchung der Therme des Wildbades Gastein" vor.

An Druckschriften wurden vorgelegt:

Abbott, Francis, Abstract of meteorological Observations taken in Tasmania during the six months ending June 1862. (Tabelle.) Fol.

Annales desmines. VIe. Serie. Tome II. 6eLivraison de 1862. Paris, 1862; 8°-

1*

4

Astronomische Nachrichten. Nr. 1419—1420. Altona, 1863; 4°- Comptes rendus des seances de l'Academie des Sciences. Tome

LVI, Nr. 18—21. Paris, 1863; 4<>- C o s m o s. XIP Aimee, 22e Vol., 2 le— 23e Livraisons. Paris, 1863 ; 8°- Gesellschaft, k. k. mährisch-schlesische, zur Beförderung des

Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde: Mittheilungen, 1862.

Brunn; 4°-

Naturforschende, in Bern: Mitlheilungen. Aus dem Jahre 1862. Nr. 497-530. Bern, 1862; 8<>-

Naturhistorische, zu Hannover: Zwölfter Jahresbericht, von Michaelis 1861 bis dahin 1862. Hannover, 1863; 4°-

der Wissenschaften , königlich-böhmische, in Prag: Abhand- lungen. V. Folge. XII. Band. Prag, 1863; 4°- Sitzungsberichte. Jahrgang 1862. Januar December. Prag, 1862; So- Gewerbe -Vere in, nieder-österreichischer: Verhandlungen und

Mittheilungen. Jahrgang 1S63. 4. Heft. Wien, 1863; 8<>- Göttingen, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften aus

dem Jahre 1862; & So- G r i s e b a c h , A., Plantae Wrightianae e Cuba orientall. Pars lfyll.

(Ex. Mcm. Acad. Amer. Scient. et Artium, N.Ser. Tom. VIII.)

Cantabrigiae Nov. Angl. 1860 $ 1862; 4»- Jahresbericht über die Fortsehritte der Chemie und verwandter

Theile anderer Wissenschaften. Von H. Kopp und H. Will.

Für 1861. II. Hälfte. Giessen, 1863; So- Land- und forstwirtschaftliche Zeitung. XIII. Jahrg., Nr. 16 & 17.

Wien, 1863; 4*- Lotos. Zeitschrift für Naturwissenschaften. XIII. Jahrg. April 1863.

Prag; So- Mittheilungen aus J. Perthes' geograph. Anstalt. Jahrgang 1863.

V. Heft. Gotha; 4o- Mondes, (Les), Revue hebdomadaire des sciences. Ire Annee. Tome

Ir, 15e— 17e Livraisons. Paris, Tournai, Leipzig, 1863; So- Mo niteur scientifique. lS5e Livraison. Paris, 1863; 4°- Nocco, G., Alcune teoiie su1 numeri pari, impari, e perfetti,

1863; 8«- Peters, Wilhelm, Über Cercosaura und die mit dieser Gattung ver- wandten Eidechsen aus Südamerika. (Abhandlungen der k. Akad.

d. Wiss. zu Beilin 1862.) Berlin, 1863; 4o-

Societe Imp. de medecine de Constanlinople: Gazette mddicale d' Orient. VIIe Armee, Nr. 2. Constantinople, 1863; 4«- Imperiale des Naturalistes de Moscou: Bulletin. Armee 1862. Tome XXXV. Nr. 4. Moscou, 1862; So- Society, The Chemical: Journal. Ser. 2. Vol. I. Nr. 1 3. London,

1863; So- Wie ner medizinische Wochenschrift. XIII. Jahrgang, Nr. 21 23.

Wien, 1863; 4<>- Wochen-Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts - Gesell- schaft. XII. Jahrgang, Nr. 16. Gratz, 1863; 4«-

6 ii y t t i.

Neue Wundernetze und Geflechte hei Vögeln und Säuget/deren. Von dem w. M. Professor Hyrtl.

(Auszug aus einer für die Denkschriften hestimmlen Abhandlung.)

Die untersuchten Gattungen aus der Classe der Vögel, bei welchen Wundernetze gefunden wurden, sind: Grus, Rhea, Dromaius, Struthio, Spheniscus und Apteryx; aus der Classe der Säugethiere: Ateles, Otolicnus, Lemur, Viverra, Hahnaturus, Hyrax, Dicotyles, Phacochoerus und Tapirus.

Mit Bezug auf die in den Jahren 1853 und 1854, im V. und VI. Bande der akademischen Denkschriften vom Verfasser vei>> öffentlichten Arbeiten über das Gefässsystem der Monotremen und Edentaten, und jene in den Sitzungsberichten über Walross und Daman (Band VIII, und X), kann durch die vorliegende Abhandlung die Anatomie der Wundernetze bei warmblütigen Thieren als abgeschlossen betrachtet werden, indem sie den Fortschritt von der einfachen Inselbildung bis zum vielstimmigen Rete mirabile anschaulich macht, und das Vorkommen dieser merkwürdigen Gefässbildungen auch bei drei Säugethierordnungen nachweist, bei welchen sie zur Zeit noch unbekannt waren: Carnivora, Marsu- plalia und eigentliche Simiae.

Die Verschiedenheit der Form der Netze, oh unipolar oder bipolar, einfach oder zusammengesetzt, so wie ihre Lage, ob den Stamm einer llauptarterie umschliessend, oder weitab von ihm gelegen, ob ihre einzelnen Stämme lose und von einander abstehend verlaufen, oder auf einen Bündel zusammengedrängt liegen, ob sie den Hautnerven folgen, oder motorische Nerven einhüllen u. in. a. wird ihre functionelle Bedeutung verschiedentlich gestalten, und sie theils als Sicherheitsröhren auffassen lassen, um die durch Muskeldruck gegebenen Circulationsstörungen auszugleichen, theils als Vorrichtungen, durch welche mittelst Vermehrung der arteriellen Blutmenge im gegebenen Baume, der nötbige Ersatz für bedeutende Wärmeverluste gesichert (Wale und Stelzfüsser), oder für andere Zwecke die Schnelligkeit der Blulbewegung vermindert werden soll.

Neue Wundernetze und Gefleehle bei Vögeln und Säugethieren. 7

Amphibien und Fische haben nichts für die vorliegende Abhandlung geliefert. Dass die ersteren, mit Ausnahme der Krokodile, der Wundernelze durchaus entbehren, wurde in meiner früheren Arbeit über diesen Gegenstand bemerkt l), und kein einziges meiner zahlreichen Injectionsresulfate bei Knochenfischen hat den herr- schenden Glauben umzustossen vermocht, dass Wundernetzhildungen nur an der Schwimmblase einiger Gattungen, und an der Leber einer einzigen (Thynnus) zu finden seien.

Die den Wundernetzen nahe kommenden strahligen Wedel an den Zweigen der Gehirnarterien bei den Plagiostomen sind aus der im XV. Bande der akademischen Denkschriften enthaltenen Dar- stellung des Gefasssystems der Rochen bekannt, und was die Haie betrifft, wird eine erst begonnene, und langsam ihrer Vollendung entgegengehende Arbeit über die Arterien und Venen dieser Familie, in späterer Zeit lehren.

*) Berieht über das anatomische Institut zu Prag-, 1841 (Wundernetze bei Champsa Lucius).

XVI. SITZUNG VOM 18. JUNI 1803.

Den Vorsitz führt, in Verhinderung des Präsidenten, Herr Prof. R edtenb acher.

Herr Dr. Jos. Boelim legt eine Abhandlung: „Über die Ur- sache des Saftsteigens in den Pflanzen" vor.

Herr Prof. J. Redte nbac her überreicht die in seinem Labo- ratorium von den k. k. Artillerie-Lieutenants, den Herren Ferd. Podzimek und Jos. Travniczek ausgeführte „Analyse der Schwefelwasserquelle im Sauerhof in Baden".

An Druckschriften wurden vorgelegt:

Akademie der Wissenschaften, königl. bayerische, zu München: Sitzungsberichte, 1862. II. Heft 3 & 4; 1863. I. Heft 1 & 2. München, 1862 & 1863; 8»- Annalen der Chemie und Pharmacie, von Wöhler, Liebig und Kopp. N. R. Band L. Heft 2; II. Supplementband, 2. Heft. Leipzig & Heidelberg, 1863; So- Archiv für die Holländischen Beiträge zur Natur- und Heilkunde.

Band III, Heft 3. Utrecht, Leipzig, Paris, London, 1863; So- Astronomische Nachrichten. Nr. 1421. Altona, 1863; 4°- Cos mos, XIIe Annee, 22e Volume, 24e Livraison. Paris, 1863; 8°- Crema, Joseph de, Appareil pour effectuer instantenement l'appel et le scrutindans les assemblees deliberantes. Modene, 1863; So- Gesellschaft, königl. physikalisch-ökonomische, zu Königsberg: Schriften. III. Jahrgang 1862, II. Abtheilung. Königsberg, 1863; 4o. Lot os. Zeitschrift für Naturwissenschaften. XIII. Jahrgang. Mai

1863. Prag; So- Mi Ine Edwards, Note sur les resultats fournis par une enquete relative k l'authenticite de la decouverte d'une Mächoire hu- maine et de Haches en silex, dans le terrain diluvien de Moulin- Quignon. (Comptes rendus d. s. d. l'Acad. d. sc. t. LVI.) 4°*

9

Mondes, (Les), Ire Annee, Tome Ir, 18e Livraison. Paris, Tournai,

Leipzig, 1863; So- Mo niteur scientifique 156e Livraison. Paris, 1863; 40> Prestel, M. A. F., Über die Änderung der Lage der Achse der thermischen Windrose in der jährlichen Periode. Mit 1 Tafel. Die in der Zone der veränderlichen Winde auf der nörd- lichen Hemisphäre aus den Beobachtungen sich ergebenden acht Windesgebiefe. Mit 1 Karte. Neue Formel zur an- schaulichen und übersichtlichen Darstellung der Strömungen im Luftmeere. Über die in der untersten, unmittelbar auf der Erdoberfläche ruhenden Schichte der Atmosphäre mit der Höhe zunehmende Temperatur. 40- Quatrefages, de, Note sur Ja Mächoire humaine decouverte par M. Boucher de Perthes' dans le diluvium d'Abbeville. Observations sur la Mächoire de Moulin-Quignon. (Comptes rendus d. s. d. l'Acad. d. sc. t. L\T.) 4<>- Societe geologique de France: Bulletin. Ile Serie. Tome XX%

feuilles 6—12. Paris, 1862 ä 1863; So- Wiener medizinische Wochenschrift. XIII. Jahrg., Nr. 24. Wien,

1863; 4o- W ochen-Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts-Gesellschaft.

XII. Jahrgang, Nr. 17. Gratz, 1863; 4»- Zeitschrift für Chemie und Pharmacie, von E. Erlenmeyer. VI. Jahrgang, Heft 9 & 10. Heidelberg, 1863; 8<>- des österreichischen Ingenieur- Vereines. XV. Jahrgang. IV. Heft. Wien, 1863; 4»-

Il 111.

Über die Ursache des Saftsteigens in den Pflanzen. Von Joseph lim.

(Mit i Tafel.)

Überzeugtvonder Wichtigkeit der Erkenntnis der Ursache, durch welche das Aufsteigen des Nahrungssafies in den Pflanzen bedingt wird, haben sich die ältesten und neuesten Physiologen bemüht, dieselbe aufzufinden. Die ältesten Forscher erklärten sie für eine Capillarröhr- chenwirkung. Da aber die Spiralgefässe höchstens im Frühjahre bei manchen Pflanzen Saft führen, andere Gewächse aber, dieConiferen nämlich, gar keine Spiralgefässe besitzen, so wurde diese Irrlehre bald verlassen, um der jetzt allgemein herrschenden Ansicht , dass die Saftsteigung eine Diflusionswirkung sei, Platz zu machen.

Um sich die Saftsteigung auf endosmotischem Wege zu erklären, setzte man voraus, dass die Säfte in den oberen Pflanzentheilen con- centrirter seien als in den unteren. Abgesehen davon, dass diese Annahme mit manchen anderweitigen Erscheinungen im Wider- spruche stand , haben directe Versuche das gerade Gegentheil *) bewiesen, oder es wurde die Concentrationsverschiedenheit doch so gering gefunden 2), dass sie zur Erklärung der Ursache des auf- steigenden Saftstromes nicht ausreicht.

Hofmeister 3) puhlicirte mehrere exaete, diesen Forscher kennzeichnende Abhandlungen, welche das Räthsel zu lösen schienen. Dieser Forscher suchte nämlich darzuthun, dass die Triebkraft für den aufsteigenden Saftstrom nicht von den oberen , sondern von den unteren Pflanzentheilen , den Wurzeln nämlich , aufgebracht werde. -Künstliche, aus kurzen Glasröhren verfertigte, mit einem Difi'usionsstrom ermöglichenden Membranen geschlossene und mit

l) Unger, Studien über sogenannte Frühlingssäfte der Pflanzen. Sitzungsberichte der kais. Akail. d. W. math.-nat. Ciasse, IM. 'i.i, 1857, S. 441.

;;) Hartig, Über Bewegung des Saftes in Holzpflanzen u. s. w. . bot. Ztg. Ks.'io. 1856, 18Ö8 und 1861.

i) 11 o fm eis t er, Ober das Steigen des Saftes der Pflanzen. Ber. d. k. Säch. Ges". d.Wiss. 8. Aug. 1857, S. 14!) u. s. w. Flora, 1858, S. L. Über Spannung, Ausfluss- menge u. 8. vf. Flora, L86Ä, s. '.t? u. s. w.

Über die Ursache des Saftsteigens in den Pflanzen. 1 1

einer Lösung von verschiedenen Gummiarten u. s. \v. gefüllte Zellen diffundirten fast reines Wasser. Aus ähnlich sich verhaltenden Zellen sollen die Wurzeln bestehen und durch die von ihnen aufgebrachten Kräfte der Saft in die Höhe gepresst werden.

Diese Erklärungsweise des Saftsteigens erklärt die Erschei- nungen des ßlutens von Vitis, Betida, Acer etc. vollkommen. Der Saft eines im Frühjahre oberhalb der Wurzel abgeschnittenen Reb- stockes wird bekanntlich mit bedeutender Kraft in die Höhe getrie- ben. — Die Erscheinung des Blutens dauert aber nicht lange; sie hört auf, wenn sich die Blätter bis zu einem gewissen Stadium ent- wickelt haben. Das spälere Saftsteigen schien mir selbst bei bluten- den Gewächsen durch Hofmeister nicht erklärt. Transspirations- versuche lehren, dass die Gewächse unter gewissen Umständen eine enorme Menge von Wasser verdampfen. Würde dieses durch die Wurzel aufwärts gepresst, so müsste der Stamm, wenn er quer durch- geschnitten wird, gerade unter den Verhältnissen, die wir bald näher kennen lernen werden, am heftigsten bluten. Werden die höchsten Bäume im Frühjahre nach der Entwickelung der Blätter geschlagen, so fliesst aus der untern Schnittfläche auch nicht ein Tropfen Wasser. Dieses müsste aber, wenn die Wurzel dasselbe bis in den Baumwipfel liehen sollte, mit einer Kraft von mehreren Atmosphären herausquellen.

Diese Betrachtungen und mehrere mit der Ansicht von Hofmeister im Widerspruche stehende Versuchsresultate waren es, welche mich an der Richtigkeit der von Hofmeister gegebenen Erklärungsweise des Saftsteigens (nicht des Blutens) sehr zweifeln machten und mich bestimmten, hierüber entschei- dende Versuche anzustellen. Wäre, so schloss ich, die von Hof- meister gegebene Erklärungsweise der Wurzelfunction die richtige, so müsste es gelingen, bei Zweigen, welche in Wasser gesetzt, leicht Wurzeln bilden und weiter wachsen, durch eine mechanische Kraft diese Wurzelbildung vielleicht zu hindern und sie möglicherweise bei allen Gewächsen zu ersetzen. Ich wählte zu diesen Versuchen Zweige von Salix und zwar die bei uns gemeine Salix purpurea und fragilis. Das untere Ende des Zweiges wurde in eine beiläufig 1 Zoll lange Kautschukröhre so gesteckt, dass das untere freie Ende des Zweiges 3 6 Zoll betrug, und dann das obere Ende der Kautschukröhre mit dem Zweige sorgfältig ver-

12 B ö h m.

bunden. Dieser Verband darf aber einerseits nicht zu fest sein, damit der Zweig hier nicht Schaden leide, andererseits aber auch nicht zu locker, damit das Wasser nicht zwischen Röhre und Zweig durchgepresst werde. Nachdem das Kautschukrohr an seinem freien Ende aufgestülpt worden, wurde der Zweig in den kurzen, 6 12 Zoll langen, mit Wasser gefüllten Schenkel von eigens zu diesen Ver- suchen angefertiglen Injectionsgläsern (Fig. 1) gesteckt, das aufge- stülpte Kautschukrohr über das etwas erweiterte Ende dieses Schenkels zurückgerollt, und hier wieder ein gut schliessender Verband ange- legt. Wurde beim Einbinden des Zweiges vielleicht etwas Luft mit eingebunden, so lässt sich dieselbe leicht durch Neigung des Appa- rates entfernen. Die Länge des andern Schenkels des Injections- gefässes variirte bei den verschiedenen Apparaten von 6 40 Zoll, seine Weite beträgt am besten 3 4 Linien. An sein oberes Ende wurde eine weite Glasröhre (Trichter) angeblasen. Um die Zerbrechlichkeit des Apparates zu verringern, wurde die Verbin- dungsröhre beider Schenkel nicht zu lange gemacht, und beide Schenkel, nachdem eine Korkplatte dazwischen gelegt worden, gut verbunden. Die lange Röhre sammt dem Trichter wurden sodann mit Quecksilber vollgefüllt.

Die Versuche wurden mit 40 Apparaten, bei denen der Queck- silberdruck von 6 40 Zoll variirte, Ende November 1862 begonnen, und theils in meiner Wohnung, theils im Gewächshause des botanischen Universitätsgartens ausgeführt. Das Resultat war folgendes:

Das Quecksilber sank mit gehöriger Rücksicht auf die verschiedene Grösse der Zweige, deren schwerste nicht über 60 Grm. wogen, in allen gleichen Apparaten fast gleich viel, anfangs besonders bei grossem Drucke rascher, dann langsamer. Sobald die Trichter leer von Quecksilber waren, wurden diese mit Wasser gefüllt, durch Auflegen der flachen Hand geschlossen und durchgeeigneteNeigung der Apparate das Quecksilber in den früheren Stand zurückgeführt. Wenn die Weite der Verbindungsröhre beider Schenkel 4 Linien oder darüber beträgt, so ist die Operation, auch wenn das Röhrenstück kurz ist, bald vollendet. Die Trichter haben, wie man sieht, den Zweck, die Höhe der Quecksil- bersäule ziemlich constant zu erhalten. Die Knospen fingen nun an sich zu entwickeln, und zwar, besonders bei grossem Drucke früher, als die der daneben in Wasser gestellton Zweige. Wurzeln bildeten aber nur jene Zweige, welche unter einem geringern Drucke als

Über die Ursache des Saftsteigens in den Pflanzen. J o

10 Zoll Quecksilber standen. Die jungen Zweigchen jener Äste, welche unter einem grösseren Drucke als 10 Zoll Quecksilber standen, wuchsen höchstens zu einer Lange von 3 Zoll heran; dann wurden deren Blättchen von der Spitze an schwarz oder es vergeilten diesel- ben, das Quecksilber hörte auf zu fallen, und die Zweige vertrock- neten endlich, so weit sie sich in der Luft befanden, vollständig.

Wurden Zweigstücke zu Versuchen verwendet, so floss das Wasser, selbst wenn nur eine Wassersäule, die länger als das Zweigstück war, als Druckkraft benutzt wurde, aus der oberen Schnittfläche. Das Ausfliessen des Wassers hörte jedoch nach einigen Tagen, falls die Knospen sich zu entwickeln begannen, auf. Wurden Zweige, welche unter einem Quecksilberdrucke von 40 Zoll Quecksilber standen, nachdem die Knospen sich zu ent- wickeln angefangen hatten, gestutzt, so floss aus denselben kein Wasser mehr.

Dass die unter einen grossen Druck gesetzten Zweige keine Wurzeln bildeten , schien mir möglicher Weise dadurch bedingt, dass auf diese Weise die Spiralgefässe der Zweige, wenigstens so weit als diese in Wasser eingesenkt waren, dauernd mit Wasser injicirt wurden. Um in dieser Beziehung einen normalen Zustand herzustellen , versiegelte ich vor dem Versuche die Schnittflächen der Zweige, und da ich aus früheren Versuchen wusste, dass solche unten verschlossene Zweige, wenn sie in's Wasser gestellt werden, in der Begel vertrocknen, so wurde an selben gleichzeitig oberhalb der versiegelten Stelle die Rinde entweder etwas angeschnitten oder stückweise ganz entfernt. Diese Zweige bildeten nun selbst bei einem Drucke von 40 Zoll Quecksilber, wenn auch nicht viele, so doch einige Wurzeln und entwickelten sich einigeZeit kümmerlich weiter. Diese und anderweitigeErscheinun- gen, die sich bei obigen Versuchen an unten geschlossenen und nicht geschlossenen Zweigen zeigten, und auf welche ich bei einer andern Gelegenheit zurückkommen werde; ferner der Umstand, dass bewur- zelte und nicht bewurzelte Zweige unter einem grossen Quecksilber- druck nicht mehr transspirirten als unter gewöhnlichen Verhält- nissen; endlich die oben angeführten Betrachtungen, welche mieh zu vorstehenden Versuchen aufforderten, verschafften mir die Über- zeugung: dass die den Saft in den Stamm und in die Blätter treibende Kraft nicht von der Wurzel aufgebracht werde.

14 Böhm.

Wenn es nun in der That weder Capillarröhrehcn nocli Diffu- sionswirkung (sei diese von den untersten oder von den obersten Zellen der Pflanze eingeleitet) ist , welche den Pflanzensaft in die Höhe hebt, so fragt es sich, was ist denn nun die Ursache des Saft- steigens? Bei einiger Überlegung kann die Antwort auf di^se wich- tige Frage schon a priori nicht zweifelhaft sein. Die Ursache des Safts teigens kann nur eine Saug Wirkung, kann nur Folge derTransspiration sein.

Bekanntlich wurde erst durch Uuger J) nachgewiesen, dass die Pflanzen durch die Blätter weder tropfbares noch dunstförmiges Wasser aufnehmen. Dieses Factum stimmt sehr gut mit der Erklärung von Hofmeister über die Ursache des Saffsteigens. Mit dieser Erklärungsweise stimmt ferner auch die Behauptung aller Pflanzen- physiologen, dass die Gewächse auch im absolut feuchten Baume Wasser abgeben.

Wenn die Pflanzen im vollkommen feuchten Baume wirklich Wasser abgeben würden, so könnte dieses nur in Folge einer Diffu- sionswirkung geschehen, es müsste dasselbe durch eine „Vis a tergo"' herausgepresst werden; und meine oben gemachte Schlussfol- gerung würde somit sich als unbegründet und unrichtig erweisen.

Die verlässlichsten mir bekannt gewordenen Transspirations- versuche wurden von Ungei-s) mit Topfpflanzen angestellt. Meine Versuche lehrten mich, dass sich hierzu viel besser Weiden eignen, welche aus in Wasser gestellten Zweigen gezogen werden. Die abgeschnittenen Zweige werden nämlich luftdicht in die eine Öffnung eines doppelt durchbohrten Kautschukstöpsels gesteckt. Der Kaut- schukstöpsel muss ebenfalls luftdicht in den Hals einer Flasche oder eines Kolbens eingesetzt werden können. Diese Apparate haben, abgesehen von der Bequemlichkeit , mit welcher das trans- spirirte Wasser wieder ersetzt und der Leichtigkeit, mit welcher das bei dem Versuche vielleicht feucht gewordene Gefäss schnell und vollkommen abgetrocknet werden kann , noch den Vortheil, dass sich die Wurzeln stets unter denselben Verhältnissen befinden.

*) Unger, Nehmen die Blätter der Pflanzen dunstförmiges Wasser aus der Atmo- sphäre auf? Sitzungsberichte d. math.-nat- Cl. d. kais. Akad. d. W. in Wien. 18.!>'2. Bd. IX, S. 885.

2) l'ngcr, Neue Untersuchungen iilier die Transsniration der Gewächse. Sitzungs- berichte d. math.-nat. Cl. d. kais. Akad. d. W. in Wien Bd. 44, 2 Abthlg. tSGt.S. 181.

Über die Ursache des Saftsteigens in den Pflanzen. 1 Ö

Durch die bisher gemachten Transspirationsversuche ist es bekannt, class die Menge, des von den Pflanzen verdunsteten Wassers je nach dem Feuchtigkeitsgrad der Luft sehr variirt. Über die Menge des ausgehauchten Wassers jedoch weichen die Angaben sehr ab. Ich will von meinen diesfälligen Versuchen nur anführen, dass ein Zweig, welcher, ehe er zum Versuche verwendet wurde, 12-5 Grm. wog, nachdem er überreich bewurzelt und belaubt war, von 5 Uhr Früh bis 8 Uhr Abends im Luftzuge und unter Einfluss des directen Sonnenlichtes 61*62 Grm. transspirirte. Von 8 Ulir Abends bis 5 Uhr Früh des andern Tages verdunstete derselbe Zweig nur 13-46 Grm.

Von den bisherigen Angaben jedoch völlig abweichende Resul- tate ergaben meine Versuche im absolut feuchten Räume. Ich stellte mir denselben dadurch her, dass ich einen grossen Cylinder theilweise mit Wasser füllte, welches einigeTage über im Zimmer ge- standen war. In diesen Cylinder wurde ein zweiter, nur einige Zoll hoch mit Wasser gefüllter kleinerer Cylinder gestellt und durch einen hineingelegten Pflasterstein zum Untersinken gebracht. Die Wände dieses Cylinders wurden mit Wasser bespritzt und derselbe, nach- dem auf den Schwerstein die gewogene Versuchspflanze sammt einem mit Wasser gefüllten und ebenfalls gewogenen Becherglase und einem Thermometer gestellt worden, mit einer angeschlift'eneu Glasplatte bedeckt und mit Baumwachs wasserdicht verschlossen. Nachdem die Glasplatte noch mit einem Ziegel beschwert war, wurde der äussere Cylinder soweit mit Wasser gefüllt, dass das innere Gefäss ganz von demselben umgeben war. Die Versuche wurden, da mein Zimmer den ganzen Tag über der Sonne a usgesetzt und in demselben die Temperatur wenig constant ist, arn besten Abends angestellt. Am folgenden Morgen zeigte sich der Stand des Thermometers in der Regel völlig unverändert oder es war die Tem- peratur im Räume des innern, durch die Wasserhülle geschützten Cylinders höchstens um 0-l°C. gefallen (nie gestiegen). Die möglichst schnell vorgenommenen Wägungen zeigten, dass weder die Pflanze noch das daneben gestellte Bech erglas auch nur das Geringste an Gewicht verloren hatten. Die von anderen Physiologen in dieser Beziehung gemachten Versuche wurden offenbar nicht unter den oben angegebenen Vorsichtsmass- regeln angestellt. Stellt man nämlich eine Pflanze nebst einem gewo-

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genen Wassergefässe unter einen Glassturz, so verliert die Pflanze allerdings nicht unbedeutend an Gewicht. Dasselbe geschieht aber auch aus leicht begreiflichem Grunde, nämlich in Folge der Tem- peratursschw anklingen , mit dem gewogenen Wassergefässe. Stellt man diesen Versuch unter Einwirkung des directen Sonnenlichtes an, so ist die Menge des von der Pflanze transspirirten Wassers sogar eine sehr bedeutende. Es beschlägt sich aber auch das Gefäss ganz mit an den relativ kälteren Wänden verdichteten Wasser- dämpfen.

In ein absolut feuchtes Medium kann man obige Versuchspflanzen auch dadurch bringen, duss man sie, indem man in die zweite Öffnung des Kautschnkrohres ein nach Erforderniss langes Glasrohr einsetzt, völlig in Wasser einsenkt. Abgesehen aber davon, dass hierbei die Pflanze selbst ganz benetzt wird und bis sie völlig getrocknet ist, doch einige Zeit vergeht, treten hierbei auch andere Erscheinungen auf (die Pflanze wird nämlich schwerer), die ich bei einer andern Gelegenheit besprechen werde.

Es steht somit fest, dass die Pflanzen im absolut feuchten Räume nicht verdunsten; hiermit fällt aber auch die Annahme einer Vis a tergo oder einer Wärmequelle in den Pflanzen (wie Sachs *) will), von selbst weg. Die Menge des verdunsteten Wassers richtet sich stets nach dem Feuchtigkeitsgrad des die Pflanze umgebenden Me- diums. Es verdunsten somit Pflanzen am meisten, wenn sie im Luftzuge dem directen Sonnenlichte ausgesetzt sind.

Mit der Lösung dieser Frage ist aber auch jene nach der Ursache des aufsteigenden Saftstromes gegeben. Wenn die ober- flächlichen Zellen der Pflanze Wasser verdampfen, so müssen sie entweder zusammensinken und vertrocknen, oder eine entsprechende Menge Flüssigkeit von den gegen das Innere der Pflanze gelegenen Nachbarzellen aufsaugen. Letztes findet nun bei normalen Verhält- nissen der Pflanze wirklich Statt; jede Zelle saugt aus der inneren Nachbarzelle so viel Wasser, als ihr von den äusseren und oberen Nachbarzellen entzogen wurde, und diese Mittheilung pflanzt sich fort bis zu den äussersten Wurzelzellen, welche ihr abgegebenes Wasser durch das ihrer äusseren Umjjebunff ersetzen.

*) Sachs, SitzuDgsh. d. math.-nat. Cl. d.k.Ak. d. W. in Wien. 26. Bd. 18S7, S.32C— 331.

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Wenn diese Anschauung richtig ist, so muss sie sich auch durch den Versuch erweisen lassen. Hierzu eignen sich wieder die auf die oben angegebene Weise gezogenen Weiden vortrefflich, indem man in die zweite Öffnung des Kautschukstöpsels luftdicht ein Manometer einsetzt (s. Fig. 2). Der ganze Apparat wird vorerst vollständig mit Wasser, und dann beide Manometerschenkel zur Hälfte mit Quecksilber gefüllt. Die Weite der Manometerröhre wird am besten so gewählt , dass das Füllen derselben mit Queck- silber durch die Capillarröhrchenwirkung derselben nicht gestört wird, 2 3 Linien. Schon bei den Versuchen über das Verhalten der Zweige, wenn diese unter einen grossen Druck gesetzt wur- den, machte ich derartige Versuche, um nämlich die hierbei auf- tretenden Erscheinungen überhaupt kennen zu lernen und zu erfahren , wie sich die Wurzelbildimg bei geringerem Drucke als der atmosphärische ist, verhalte. Ich fand, dass das Quecksilber auf diese Weise, gleichgiltig ob ich Zweigstücke oder Zweige verwen- dete, ob diese gross oder klein, unten offen oder theilweise entrindet und geschlossen waren, um 6 7 Zoll gehoben wurde. Ich hielt dies anfangs für eine endosmotische Wirkung. Nach einiger Zeit stellte sich aber, indem aus dem Zweige Luft ausgeschieden wurde, das Quecksilber wieder in's Gleichgewicht.

In Folge dieser Resultate wurden die Versuche mit bewurzelten und beblätterten Zweigen anfänglich ebenfalls mit Manometern gemacht, deren Schenkel nicht über 10 Zoll lang waren. Dieselben erwiesen sich jedoch in den meisten Fällen als viel zu kurz, und ich war nicht wenig erstaunt, als von einem ziemlich stark beblät- terten, unten versiegelten Exemplar , dessen Gewicht im frischen Zustande 41*4 Grm. , ausgetrocknet jedoch nur 25*2 Grm. betrug, das Quecksilber an einem sonnigen Tage in kurzer Zeit um 21 Zoll und 9 Linien gehoben wurde. Andere viel stärkere Zweige hoben das Quecksilber oft nur um 7 Zoll. Wenn das Quecksilber seinen relativ höchsten Stand erreicht hat, so wird, da die Trans- spiration noch fortdauert, von den Wurzeln Luft ausgeschieden. Diese Luftausscheidung beginnt aber begreiflicher Weise schon, wenn das Quecksilber erst 5 10 Zoll gehoben wurde.

Würde man die Versuche nur unter obigen Umständen machen, so würde man das Ergebniss derselben einer endosmotischen Wir- kung zuschreiben. Von dieser Ansicht kommt man aber zurück,

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wenn man die Experimente unter verschiedenen Verhältnissen anstellt. Es zeigt sich nämlich, dass hei gleicher Röhrenweite des Manometers insbesondere die Schnelligkeit des Steigens des Queck- silbers von dem Feuchtigkeitsgrade des umgebenden Mediums und von der Anzahl der Blätter bedingt ist. Macht man die Versuche im absolut feuchten Räume, so ändert sich der Stand des Quecksilbers weder bei reich beblätterten und bewur- zelten noch bei un beblätterten und un bewurzelten Zweigen. Es ist somit klar, dass wenn sich die Bedingungen derTransspiration ändern, auch gleichlaufende Schwankungen in der gehobenen Quecksilbersäule auftreten müssen. Nach und nach sucht sich der Stand des Quecksilbers in beiden Manometerschenkeln wieder auszugleichen.

Die angeführten Versuche machen es zweifellos , dass die Ur- sache des aufsteigenden Saftstromes in der Verdunstung liegt, dass der Saft in die Pflanzen durch den Luftdruck gepresst wird, dass der ganze Process nur eine Folge von Saugung sei. Es war mir nun darum zu thun, zu erfahren, wie hoch durch Verdunstung einer mit Wasser gefüllten Blase, welche einen Diffusionsstrom einzuleiten geeignet ist, das Quecksilber gehoben werde. Zu meinen diesfälligen bisherigen Versuchen wählte ich Rindsblasen. Würde man diese einfach mit Wasser füllen, so würden sie in dem Masse, als das Wasser verdunstet, zusammenfallen. Um dieses zu verhindern, binde ich die weit aufgeschnittene und über einen aus ziemlich starkem Metalldrathe geflochtenen Ballon gezogene Blase sehr sorgfältig (luftdicht) an ein hufeisenförmig gebogenes , unten ausgerandetes Glasrohr und stecke das andere Ende dieses Rohres in dem Apparat Fig. 2 an die Stelle der Pflanze.

Um das vollständige Füllen des Apparates mit Wasser, was in einer hinreichend grossen, mit Wasser gefüllten Wanne geschieht, zu erleichtern, gibt man dem Apparate am besten die Form von Fig. 3. Ehe der Manometer in Quecksilber getaucht wird, lasse ich, um den Versuch abzukürzen , das überflüssige Wasser ausfliessen. Dies geschiebt dadurch, dass ich an die Manometerröhre ein einige Zoll langes Kautschukrohr stecke und den Apparat so weit aus dem Wasser hebe, dass nur das untere Ende des Schlauches etwas in Wasser taucht. Wenn das weitere Ausfliessen des Wassers auf- gehört, und somit die Blase enge an den Drathballon anliegt, wird

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der Apparat so weit gesenkt, dass die Manometerröhre selbst in Wasser taucht, die Kautschukröhre wird dann weggenommen und das Manometerrohr unter Wasser in ein mit Quecksilber gefülltes Gefäss getaucht.

Ich habe diese Versuche mit verschiedenen Rindsblasen ange- stellt, im günstigsten Falle wurde aber das Quecksilber nur 7 Zoll gehoben; dann wurde Luft eingesaugt. Wurde statt der Rindsblase Pergamentpapier angewendet , so wurde das Quecksilber nur um 1 1*/4 Zoll gehoben.

Diese durch Saugung aufgebrachte Hubkraft von 7 Zoll Queck- silber ist keine unbedeutende, und sie ist, da die verdunstende Blase nur die Oberfläche der transspirirenden Pflanze darstellt, vielleicht selbst hinreichend, das Aufsteigen des Saftstromes in die Krone der höchsten Bäume, die es gibt, zu erklären. Die Wand der tliie- rischen Blase hat aber einerseits nicht den Bau einer Zellmembran *) und andererseits ist jede selbst nur einen Zoll hohe Landpflanze aus vielen übereinander gelagerten Zellen gebildet.

Ich war daher bestrebt, ein Object ausfindig zu machen, das mir zur Veranschaulichung dieses rein physikalischen Vorganges bei der Saftsteigung ein völliges Äquivalent für die lebende Pflanze liefern sollte.

Um mich zu unterrichten, in wie weit die Ursache der Saugung von im November abgeschnittenen Weidenzweigen vielleicht durch Capillarröhrehenwirkung bedingt sei, Hess ich mehrere im November abgeschnittene Zweige von Salix purpurea in meinem Zimmer völlig austrocknen. Jetzt, nach mehr als 6 Monaten, darf man wohl anneh- men, dass sie völlig abgestorben und lufttrocken sind. Werden solche Zweige in Wasser oder in eine Lösung von Blutlaugensalz oder Eisen- chlorid etc. gestellt, so überzeugt man sich auf Querschnitten leicht mit freiem Auge oder mittelst entsprechender Reagentien, dass die Flüssigkeit in den Zweigen kaum höher gestiegen, als diese in die betreffende Flüssigkeit eingesenkt waren. Diese Zweige nun schienen mir ein viel geeigneteres Object zuden-inRede stehenden Ver- suchen, als die aus den verschiedenartigen Membranen gefertigten

J) Jarain (Comptes rendus, 1860) ersetzte in diesem Magn u s'schen Versuche die thierisehe Blase durch eine Alcarazas , eine lithographische Stein- oder Thon- platte; das Quecksilber wurde alsdann auf 720 740 Millim. gehoben.

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Apparate. Es handelte sich nur darum, dieselben völlig mit Wasser zu imprägniren. Unter der Luftpumpe geht dies mit grösseren Zweigen nicht an, und gelingt selbst bei kleinen Zweigen nur sehr mühevoll und unvollständig; sehr leicht gelingt dieses abermittelst der oben beschriebenen Injeetionsapparates (Fig. 1). Sind die Zweige gross, so muss man den Druck wochenlang wirken lassen, und dann ist man noch nicht sicher, ob alle Luft durch Wasser ersetzt ist.

Es genügt jedoch, Zweigs tücke zum Versuche zunehmen. Werden diese einige Tage hindurch durch einen grossen Quecksil- berdruck injicirt, so darf man sicher sein, dass alle Theile des Zweiges völlig mit Wasser erfüllt sind, und man kann sich hiervon auch dadurch überzeugen, dass das aus der^obern Schnittfläche austretende Wasser endlich keine Luftblasen mehr mit sich führt. (Als wohl eigentlich nicht hieher gehörig, will ich nur kurz erwäh- nen, dass man in dem Momente, in welchem das Wasser in den aus- getrockneten Zweig getrieben wird, ein eigentümliches Knistern, wie wenn Glasröhren zerbrochen werden , vernimmt.)

Wurden nun so injicirte, 1 2 Fuss lange Zweige in dem Apparate Fig. 2, statt der Pflanze luftdicht eingesetzt, so wurde das Quecksilber, wenn die Bedingungen der Verdunstung günstig und die Manometerröhren nicht weit waren, binnen 6 12 Stunden bis 22 Zoll lange gehoben ! Wurden die Zweigstücke an beiden Schnitt- flüchen luftdicht verschlossen, so stieg das Quecksilber bis 23 i/4 Zoll. Selbst nur3ZolI langeoben und unten verschlossene derartige Zweig- stücke hoben das Quecksilber um 17 IS Zoll. Bei der ferneren Verdunstung wird das Quecksilber nicht mehr weiter gehoben, sondern nur Luft ausgeschieden. Diese Luftsecretion beginnt aber schon viel früher, als das Quecksilber den höchsten erreichbaren Stand eingenommen. Bei der Injection der Zweige wird aus demselben eine harzige Substanz gepresst, welche die Rinde oft völlig überzieht, und welche, sowie die Rinde selbst, die Verdunstung hemmt, daher man die injicirten Zweige vor dem Versuche am besten entrindet.

Die vorstellenden Versuche beweisen in einer über jeden Zweifel erhabenen Weise, dass die Ursache des aufsteigenden Saftstromes eine Folge von Transspiration, ein reiner Saugungs- process ist; dass die Hubkraft von dem Luftdrucke geliefert wird. -- Diese Thatsache wird, wie mich dünkt, manche Erschei-

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nungen im Pflanzenleben in einem neuen Lichte erscheinen lassen. Ich erlaube mir hier nur in Kürze auf Einiges aufmerksam zu machen.

Es zeigt sich vorerst der Zweck der Korkhiille und Rinde über- haupt: sie hindert die Transspiration. Die mit dein Wasser aufge- saugten rohen Nahrungsstoffe steigen, ohne sich mit den in der Rinde absteigenden schon assimilirten Säften zu mischen, im Holzkörper in die grünen Blätter. Die Pflanzen transspiriren am meisten im Sonnenlichte, da werden ihnen also auch die meisten Nahrungsstoffe zugeführt. Die Verdauung aber erfolgt nur in den grünen Pflanzentheilen, durch Einwirkung von Licht und Wärme. Die meist üppigen Gebüsche im humusreichen Waldboden sind vor der Übersättigung mit Salzen, was den Tod der Pflanzen bedingen würde, dadurch geschützt, dass sie im Schatten der iiäuine weniger transspiriren, somit nicht mehr Nahrung aufnehmen , als ihnen zuträglich ist.

Es wird ferner klar, warum die (Land-) Pflanzen wenigstens unter den gewöhnlichen Verhältnissen weder dunstför'miges noch tropfbarflüssiges Wasser aufnehmen. Dies vermögen jenePhysiologen, welche die Ursache des Saftsteigens in einer endosmotischen Kraft suchen, sei es, dass diese von den obersten oder von den Wurzel- zellen aufgebracht werde, nicht, oder wenigstens nicht genügend zu erklären. Jene, welche mit Hofmeister die Hubkraft für den auf- steigenden Pflanzensaft in den Wurzeln zu finden glauben, haben es hierbei allerdings leichter, werden aber doch keinen genügenden Grund angeben können, warum welkende Blätter , wenn sie in eine feuchte Atmosphäre gebracht werden , in kurzer Zeit wieder in früherer Saftfülle dastehen, selbst wenn für den Moment der Wurzel keine neue Flüssigkeit zugeführt wird.

Die Blätter nehmen, wie es jetzt klar zu Tage liegt, eben so wenig und aus demselben Grunde kein dunstformiges Wasser auf, als dies die (vorausgegangener Verdunstung wegen) auch nur theil weise mehr mit Wasser gefüllte Blase oder die früher ausgetrockneten und dann mit Wasser injicirten Zweige unter gleichen Bedingungen thiin. Dass welkende Blätter, in einem mit Wasserdunst gesättigten Räume, in kurzer Zeit ihre frühere Turgescenz erreichen, hat einfach darin seinen Grund, dass so die weitere Verdunstung gehemmt oder gar auf- gehoben wird , und dadurch die Zellen Zeit bekommen, sich mit dem von der Wurzel her, wenn auch nur spärlich nachrückenden

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Wasser wieder völlig zu füllen. Andererseits ist es klar, dass, wenn welken de Pflanzen mit Wasser benetzt, oder wenn frische, in voller Saftfülle dastehende Gewächse in Salzlösungen oder selbst nur in Wasser getaucht werden, Wasser oder (respective) Salzlösungen aufgenommen werden müssen.

Durch die Verdunstung (Transspiration) kann das Quecksilber unter den günstigsten Bedingungen höchstens 28 Zoll gehoben werden , diese Höhe wird aber bei belaubten und vegetirenden Pflanzen nie erreicht werden. Es ist einleuchtend, dass wenn die Pflanzen aus, mit diesen gleich langen, neben einander liegenden Zellen gebaut wären, dieselben unter den günstigsten Verhältnissen und vorausgesetzt, dass die Saugung mit einer Kraft von 28 Zoll Quecksilber geschähe, ohne dass die Zellen zusammenfallen und in dieselben Luft eintreten würde, Voraussetzungen, welche nimmer stattfinden werden, dass, sage ich, die Pflanzen dann nie höher werden könnten, als eine Wassersäule, welche der Atmosphäre das Gleichgewicht hält. Dass Pflanzen nun factisch viel höher werden können, wird nur dadurch möglich, dass dieselben aus vielen kleinen übereinander gelagerten und geschlossenen Zellen bestehen, indem so das Wasser von Zelle zu Zelle emporgepumpt wird. Die Ursache des Saftsteigens fordert, dass die Zellen des Coniferenholzes, soweit dieses den Saft leitet, geschlossene Bläschen sein müssen. Denken wir uns alle Zellen des höchsten Baumes, den es überhaupt gibt, mit Wasser gefüllt, so ist der Druck, welcher durch diese viele tausendmal unterbrochene Wassersäule auf die untersten Zellen ausgeübt wird, dennoch gewiss viel kleiner als der Gegendruck der Atmosphäre. Stellen wir uns nun einen Baum von einer solchen Länge vor, dass das in seinen Zellen befindliche Wasser auf die untersten Zellen einen Druck von fast einer Atmosphäre ausübt, und schreiben wir selbst den äussersten Blattzellen dieses Baumes die Eigenschaft zu, durch Verdunstung eine Quecksilbersäule 28 Zoll hoch zu heben , ehe dieselben zusammenfallen und sich mit Luft füllen, so wäre dies die höchste mögliche Pflanze.

Um von vorne herein die Höhe des höchsten Baumes , den es überhaupt geben kann, bestimmen zu können, miisste man also die Saugkraft der normal fungirenden Blattzellen und die Grösse des Druckes der in den Zellen enthaltenen Flüssigkeit auf die Wurzel- zellen kennen. Die Grösse dieser Factoren, besonders die des ersteren

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durch das Experiment zu bestimmen , dürfte seine unüberwind- lichen Schwierigkeiten haben.

Wären die Zellen der Pflanze, insbesondere die ihrer verdun- stenden Oberflache, also vorzüglich die Epidermiszellen zarte, beim Beginne der Transspiration selbst völlig mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen, so müssten dieselben bei eintretender Verdunstung, so wie die bei dem Apparate Fig. 3 verwendete Blase, wenn in ihr kein Drathballon eingebunden wäre, zusammenfallen. Was bei diesem Versuche der Drathballon, das sind im Blatte die Bippen. Die ver- dickten Aussenwände der nur theilweise von Naehbarzellen gestütz- ten Epidermiszellen dienen der Pflanze nicht nur zum Schutze gegen schädliche äussere Einflüsse, sondern verleihen insbesondere den auf dieser Seite freiliegenden Epidermiszellen eine grössere Festig- keit, welche noch durch die verschiedenen in die Zellwände stets eingelagerten Salze (Incrustationen) und durch die hier insbesonders häufig abgelagerte Kieselsäure *) vergrössert wird.

Sowohl die grünen als die chlorophyllosen Blätter haben unter Anderm auch die Aufgabe, vermittelst ihrer verdunstenden Oberfläche der Pflanze die notwendigen, im Wasser gelösten Nahrungsstoffe in genügender Menge zuzuführen. Bei sonst gleichen Bedingungen ist die Verdunstung um so grösser, je grösser die Oberfläche. Fleischige Blätter werden daher weniger verdunsten, als nicht fleischige, runde weniger als flache. Würde z. ß. die ganze Blattsubstanz der Blätter der Crassulaceen in die Form der Blätter von Salix purpurea gebracht, so würden sie unter den Bedingungen, unter welchen sie sich ganz wohl befinden, sicher in kurzer Zeit verwelken.

Die eigentümliche Physiognomie der Alpenvegetation lässt sich kaum weder durch die dort herrschende Temperatur noch durch den geringen Luftdruck a 1 1 e i n erklären. Der Umstand, dass mit der Erhebung des Bodens über die Meeresfläche die Bäume immer kleiner werden und sich auf hohen Bergen die Gewächse meist krampfhaft an die Erde klammern und sich meist enge zusam- menthun, hängt mit der Ursache des Saftsteigens und den Trans- spirationsbedingungen innig zusammen. Die Erscheinung des sogenannten Erfrierens von Gewächsen durch Spätfröste und die Beobachtung, dass die jungen, mit den concentrirtesten Säften

») Mohl, Bot. Zeitung, 1861, S. 209 u. s. w.

24 ß ö li ra. Über die Ursache des Saftsteigens in den Pflanzet».

erfüllten Pflanzentheile viel grössere Temperaturveränderungen ertragen